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Sammlungen Freilichtmuseum Finsterau

Schwerer als Wasser

Eine Kegelkugel aus exotischem Pockholz

Eine Kegelkugel aus exotischem PockholzDas Holz ist sehr hart, spröde und sehr schwer. Es lässt sich sehr schwer bearbeiten, kaum hobeln, spalten und leimen. Es ist aber widerstandsfähig gegen Abnutzung, Pilze, Insekten und Witterung. So wird das wertvolle Pockholz in der Fachliteratur beschrieben. Sein botanischer Name lautet Guaiacum guatemalense – und der deutet bereits auf sein natürliches Vorkommen hin: Mittel- und Südamerika, außerdem Westindien. Der Guajak-Baum, auch Franzosenholzbaum genannt, existiert in mehreren Arten in tropischen und wärmeren Regionen, sein Harz wird seit langem als Heilmittel gegen die Syphilis angewandt, das hat ihm den weiteren Namen lignum sanctum eingebracht.

PockholzHeute kommen meist nur noch Brettchen von höchstens 8 cm Dicke in den Handel, der einer strengen Meldepflicht unterworfen ist. Ein Rohstück zu erwerben, aus dem eine Kegelkugel von 14 cm Durchmesser zu drehen wäre, ist schwierig. Diesen Durchmesser hat jedoch die alte Kugel, die aus einem niederbayerischen Wirtshaus in das Inventar des Freilichtmuseums Finsterau gelangt ist. Mit dem genannten Maß zählte diese Kugel auf einer üblichen Gesellschaftskegelbahn zu den mittleren Größen, der Maler Max Unold berichtet in seinem Buch „Zwischen Atelier und Kegelbahn“ 1939 von sechs oder acht Kugeln, die im Kegelkasten zur Auswahl lagen: „Er kann die ganz große dunkle nehmen, die ‚rollende Fortuna’, wie ihr Name lautet, oder eine der mittleren mit dem rötlichen Farbton; selbst eine von den kleinen, mit denen allerdings nur ein Hasardeur ‚in die Vollen gehen’ wird“.

Eine gleichmäßig runde Kugel abzudrehen, erfordert viel Geschick des Drechslers, zudem ist eine Drehbank erforderlich, deren Spaneisen auf einem um 180° drehbaren Schlitten befestigt ist. Ist das die ganze Mühe Wert, nur fürs Kegeln? Ausprobieren!

Es ist schon ein besonderes haptisches Vergnügen, eine solch glatte, schwere Echtholzkugel in der Hand zu wiegen und zu wissen, dass sie schon etliche tausend Male über den buchenhölzernen Anschubladen einer Kegelbahn gerollt ist, mit dem einen großen Ziel, nämlich dem „Kini“ so viel Wucht der eigenen Masse zuzuführen, dass er gleich möglichst alle acht Kegelkameraden mit in den Abgrund der Kegelgrube reißt.
Wer einmal auf der „verreckten“ Bahn einer alten Kegelhalle geschoben hat, wie seit ein paar Jahren eine im Freilichtmuseum Massing steht, der pfeift auf jeden schicken Bowling-Salon.

Inventar Nr.: F 2003/119

Text/Photo: Martin Ortmeier


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