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Sammlungen Freilichtmuseum Finsterau

Für Versager

Ein alter Zigarettenautomat

Für VersagerDer Photograph dieses Inventarstücks hat am 13. November 2013 unter der Rubrik „Zeitsprung“ (http://blog.zeit.de/zeit-der-leser/2013/11/13/no-smoking/) von diesem Fundstück berichtet: „Diesen Versagerknopf fand ich im Freilichtmuseum Finsterau an einem Zigarettenautomaten aus dem Jahr 1936. Weiter oben befand sich noch der Hinweis Zigaretten: 2x 10 Pfg. – Bei Versagen Knopf drücken. Durch Betätigen des Rückgabemechanismus konnten also das Geldstück und auch der Raucher vor dem Versagen bewahrt werden. Wer sich beim Drücken dieses Knopfes wohl angesprochen gefühlt hat?“

Fast drei Jahre war der Automat im Depot verwahrt, jetzt ist er auf der Veranda des Salettls montiert. „Salem Nr. 6“ und „Reemtsma R6“, beide wahrhaft filterlos, kann man aber nicht mehr aus dem Automaten holen. Und 20 Pfennige tun es auch nicht mehr für eine ganze Schachtel Zigaretten. Historisch betrachtet wäre der Platz allerdings schon der richtige: Die Gäste im Wirtsgarten und im Tanzsaal, dem Salettl, und auch Passanten könnten da ihren Bedarf decken.

Für VersagerDas Rauchen von Zigaretten war vor nicht allzu langer Zeit Teil unserer Gesellschaftskultur. Benimmführer wiesen die gute Gastgeberin darauf hin, dass sie „stets eine Schale guter Filter-Zigaretten auf dem Sideboard“ bereitstellen sollte.
Und wer sich im Photoatelier für seine Freundin oder (vorerst!) nur Angebetete ablichten ließ, der tat dies nach dem Vorbild amerikanischer Filmschauspieler mit entzündeter Zigarette.

Wie sich doch die Zeiten ändern: Lack und Mechanik des Automaten sind noch gut erhalten, der Ruf des Rauchers aber ist dahin. In früheren Zeiten wäre niemand auf die Idee gekommen, die Aufschrift Versagerknopf ironisch auf den Raucher selbst zu beziehen.

Hersteller des robusten Automaten war die „Abteilung Warenautomaten“ der TELENORMA (Telefonbau und Normalzeit A.G.) in Frankfurt am Main, die vor allem als Hersteller und Wartungsunternehmen der sogenannten Bahnhofsuhren bekannt war. Ein an der Rückseite des Geräts aufgenietetes Herstellerschild, das auch das Baujahr nennt, weist programmatisch auf die Herstellung im damals nationalsozialistisch beherrschten Deutschen Reich hin: „Fabrikneu! Deutsches Erzeugnis!“

Zigarettenautomat, Inv.-Nr. F 1991/440

TEXT: Martin Ortmeier | PHOTOS: Konrad Obermeier (Zigarettenautomat; Atelier G. Adolph, Passau (historisches Porträt, 1949)


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