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Sammlungen Freilichtmuseum Finsterau

Der lange Weg einer Geige …

Wem ein langes Leben beschieden ist, der kann viel erzählen. Auch die böhmische Geige auf dem Bild mag vieles erlebt haben, das des Erinnerns und Erzählens wert schiene. Manches davon können wir nur noch erahnen, einige Fakten und Anekdoten aber haben sich erhalten.

GeigeDie Geige wurde im Jahr 1919 als 53. Werk des böhmischen Geigenbauers Josef Janeba aus Horní Jelení gefertigt. Darüber gibt uns das im Schallraum der Geige hinter dem rechten F-Loch befindliche gedruckte Namensetikett Auskunft. Die Bezeichnung „Stradivarius“ auf dem Etikett bezieht sich auf den berühmten Geigenbaumeister Antonio Stradivari (1644/48–1737) aus Cremona und hat den Zweck, das Werk als Qualitätsprodukt auszuweisen, was in der Zunft bis heute so üblich ist.

Wer aber war Josef Janeba? Er wurde 1881 als Sohn eines Tischlers und Musikers in Horní Jelení, einer tschechischen Kleinstadt östlich von Prag, geboren und erlernte dort von 1895–98 bei seinem Vater das Tischlerhandwerk. Daneben wurde er im Geigenspiel ausgebildet und besuchte in Prag eine Orgelschule. Der Vater wird ihn sicher auch in das Handwerk des Geigenbaus eingeführt haben, das der Sohn jedoch bis zu seinem Tod 1954 in Horní Jelení als Autodidakt ausübte. Neben Streichinstrumenten fertigte Janeba auch einige Gitarren und Trommeln sowie individuell gestaltete hölzerne Geigenkästen.

1919 kam der in Wien lebende und aus Böhmen stammende Ernst Honisch (1878–1964) zu Josef Janeba, um für seinen Sohn eine Geige zu erwerben. So gelangte Janebas Geige Nr. 53 nach Wien. Der junge Ernst Honisch (1908–1988, Foto links) beherrschte das Spiel auf der Geige alsbald recht gut, denn er trug das böhmische Musikantenblut in sich und liebte die Musik mit Leib und Seele. Es heißt, dass er bis zu seinem 50. Lebensjahr musizierte.

GeigenbauerEinige Jahre nach Honischs Tod überließ die Witwe Hermine Honisch das Instrument ihrem Neffen Leopold Stuschka, der in Atzesberg bei Waldkirchen im Bayerischen Wald lebt. Der wiederum bot das gute Stück 2002 dem Freilichtmuseum Finsterau an. Seitdem verbringt die Geige dort gleichsam den verdienten Ruhestand. Zuvor hat der Passauer Geigenbauer Oskar Kappelmeyer sie gründlich gereinigt und offene Leimstellen geschlossen. Die Spuren der jahrzehntelangen Nutzung aber, die durch Haltung und Abstützung des Instruments auf Lack und Holz von Boden, Decke und Hals verursacht wurden, blieben erhalten. Zur Geige gehört ein schwarzer Kasten mit einem bestickten Abdecktuch aus violettem Velourstoff und diversen Instrumenten-Utensilien sowie zwei Streichbögen. Im Freilichtmuseum ergänzt dieses Konvolut die kleine Musikalien- und Instrumentensammlung.

Inv.-Nr.: F 2002/233

Text: Philipp Ortmeier; Photos: Dionys Asenkerschbaumer


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