Jetzt geht’s dahi – Sterben, Tod und Trauer

Jetzt geht’s dahi
Sterben, Tod und Trauer. In Niederbayern und anderswo

Samstag, 28.03.2026 bis Sonntag, 04.04.2027

Sterben ist persönlich. Trauer ist kulturell. Tod geht uns alle an.

Mit der Sonderausstellung Jetzt geht’s dahi – Sterben, Tod und Trauer lädt das Freilichtmuseum Finsterau zu einer besonderen Reise ein – nicht weg vom Tod, sondern direkt hinein in seine vielen Gesichter. Zwischen alten Bräuchen und neuen Ideen öffnet sich ein Raum für Fragen, Erinnerungen und überraschende Perspektiven. Was passiert, wenn ein Leben endet? Wie wurde – und wie wird – Abschied genommen? Und: Wie wollen wir heute sterben?


Von Leichenzug bis Playlist – Tod zum Anfassen

Im Mittelpunkt steht ein beeindruckendes Leitobjekt: Ein historischer Leichenwagen aus Fürholz, eingebettet in eine symbolische Inszenierung eines Leichenzugs. Er ist das zentrale Objekt für die thematische Erkundung von Sterben, Tod und Trauer.

Die Ausstellung ist dabei kein passives Gedenken, sondern ein aktiver Dialog: mit der Geschichte, mit modernen Bestattungsformen, mit persönlichen Verlusten – und mit uns selbst. Der Besucher wird zu einem Teil des Leichenzuges. Er macht sich auf, auf die letzte Reise und lernt kulturhistorisch wertvolle Schätze aus dem Finsterauer Museumsdepot kennen.

Wer kennt sie noch, die Versehgarnitur? Ein sakrales Geschirr, welches oftmals als vermeintlich unbedeutender Dachbodenfund aussortiert wurde, nicht wissend wie heilsam sie doch im Sterbeprozess sein konnte.

Die Versehgarnitur brauchte man für die Krankensalbung. Sie gehörte zur Grundausstattung eines Haushalts. Denn anders als heute starben die Leute meist in ihrem eigenen Heim. War der Tod einer Person absehbar, wurde ein Priester verständigt, der sich mit einer Hostie, Weihwasser und Öl für die Krankensalbung auf den Weg machte. Dieser Versehgang war üblicherweise mit dem Geläut einer kleinen Glocke begleitet. Im Haus angekommen nahm der Geistliche den Sterbenden die Beichte ab, salbte sie und spendete die Kommunion.

Jetzt geht’s dahi – Sterben, Tod und Trauer

FOTO: Archiv Freilichtmuseum Finsterau, Inv.-Nr.: P 002895
Und wenn da Hirgstwind wachlt, da Winter kimmt in d’Welt, is traurig’s Allerseelen bei de Brettan durt am Feld.

An solchen „Brettan“, von denen Schriftsteller und Heimatkundler Paul Friedl in diesen Versen schreibt, geht auch der uns unbekannte Mann auf dem ersten Foto vorbei. Bruno Mooser hat es 1959 in Sankt Englmar aufgenommen und so ein Stück Brauchtum dokumentiert.

Drei Kapitel für ein Thema, das uns alle betrifft

Sterben

Wie fühlt sich das Ende an? Wer begleitet, wer bleibt zurück? Diese Phase widmet sich den Todesvorboten, dem letzten Atemzug, dem körperlichen Sterben, der Sterbebegleitung — damals und heute.

Tod zwischen Diesseits und Jenseits

Was passiert nach dem letzten Atemzug? Aufbahrung, Totentoilette, Einsargen, Bestattungsformen im Wandel: Hier trifft ländliche Überlieferung auf moderne Tendenzen wie Feuerbestattung, alternative Bestattungsrituale und neuen Trauerkultur-Initiativen.

Trauer

Was bleibt? Trauermusik, Leichenschmaus, Kondolenz, Erinnerung. Persönlich und gesellschaftlich. Fragen wie „Was wäre deine Beerdigungs-Playlist?“ oder „Sarg oder Urne?“ holen Besucher in ihre eigene Realität zurück – und machen das Sterben lebendig.

Leichenwagen Inv.-Nr. F 2025/101

FOTO: Lukas Haselberger | Leichenwagen Inv.-Nr. F 2025/101

Zweite Ebene: Kunst trifft Endlichkeit

Ergänzt wird die Hauptausstellung durch eine zweite Ebene mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen der Leir Foundation. Hier reagieren internationale und regionale Künstler auf das Thema Tod – mal poetisch, mal provokant, mal still. Die Kunst öffnet neue Zugänge, stellt unbequeme Fragen und erweitert die Perspektive über das kulturell Gewohnte hinaus.

Gestaltung: hell, klar, überraschend

Die Ausstellung verzichtet bewusst auf düstere Symbolik. Statt Schwarz gibt’s Spektralfarben, statt Schwere ein Gefühl von Klarheit. Das Designkonzept setzt auf Licht, Raum und Emotion – inspiriert vom weißen Licht, das alle Farben in sich trägt.

Die Ausstellung will nicht verstören, sondern versöhnen. Nicht belehren, sondern berühren.

IMPRESSUM
PROJEKTTRÄGER: Zweckverband Niederbayerische Freilichtmuseen | Freilichtmuseum Finsterau
AUSSTELLUNGSTEAM: Konzept und Kuration agrat.studio – Konzept, Design und Regionalentwicklung (Frauenau), Lisa Späthe | Projektleitung, Exponate, Ausstellungsbau Freilichtmuseum Finsterau, Konrad Obermeier (Mauth) | Ideen- und Impulsgeberin, Netzwerk Tanja Obermeier (Mauth) | Szenographie und Grafikdesign WEISSRAUM GmbH (Grafenau), Hannah Schneider, Lukas Haselberger,  Kathrin Wintersperger, Rudi Mautner | Ausstellungsbau Schreinerei Max Schrottenbaum (Waldkirchen) | Grafikproduktion Copy & Light (Freyung) | Videoproduktion Emil Spiewok (Regen) | Medientechnik Matthias Hanus (Frauenau), MaxMusic Management (Mauth) | Unterstützung Textarbeit Gregor Salatmeier (Freilichtmuseum Finsterau) Franziska Oslmeier und Verena Pichler (Freilichtmuseum Massing) | Restauration Perlkranz: Sabine Schwab (Kösslarn), Totenbrett: Andrea Gmach (Cham), Leichenwagen: Andrea Gmach, Dirk Jan Terlouw, Stephanie Pfeffer (Cham) | Künstlerische Positionen Tanja Obermeier (Mauth), Andriu Deplazes (Marseille & Zürich, FR & CH) Sigalit Landau (Tel Aviv, IL), Richard Blaško (Zürich, CH) | Interviewpartner (Film) Hans Büchler (Frauenau), Lisa Ganserer (Standesamt Zwiesel), Klara Fischer (Frauenau), Heinrich Stadler (Jandelsbrunn) | Persönliche Statements Christine Schuller, Sebastian Chica Villa, Lisa Späthe, Kristina Böckenhoff, Karola Booss, Stephanus Robl, Iman
LEIHGEBER UND UNTERSTÜTZER: BR (München) | Burgmuseum Mitterfels e.V. (Mitterfels) | CD-Lab (Nürnberg) | Death Positiv (Linz, AT) | Deutsches Medizinhistorisches Museum Ingolstadt (Ingolstadt) | efs | Evangelisches Fernsehen, Evangelischer Presseverband, für Bayern e.V. (EPV) (München) | Elmar Grimbs (Bad Griesbach) | Freilichtmuseum Massing (Massing) | Glasmuseum Frauenau (Frauenau) | Gretl Walter (Zwiesel) | Günter Strobl (Solnhofen) | Karl-Heinz Paulus (Falkenbach, Freyung) | Katholisches Pfarramt Mauth (Mauth) | Maximilian Hummel (Massing) | Museum für Sepulkralkultur (Kassel) | Rolf Peter Holzleitner (Gemeinde Reisbach) | Stadtmuseum Schwandorf (Schwandorf) | The Leir Foundation, Inc. (Ridgefield, Connecticut, USA) | The Leir Retreat Center, Inc. (Ridgefield, Connecticut, USA) | Trikont (München) | Urnfold (Regensburg) | WDR mediagroup GmbH (Köln)

Archiv

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Josef Fruth beim Holzdrahthobeln, 1950-1960, Klingenbrunn, Alfred Fruth

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Roland Pongratz - Josef Fromholzer in seinem Laden

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Ein Badezuber aus Eichenholz entsteht. © LandLust, Gerhard Nixdorf

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Bruno Mooser, Der Knecht Alois Baumeister, 1960 (oben)

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