Servus Franzi!

Franz Plöchinger

Franz Plöchinger, Zimmermann im Freilichtmuseum Finsterau, geht in den Ruhestand
von Hans Eichinger

Mit Franz Plöchinger verabschiedet das Freilichtmuseum Finsterau nicht nur einen langjährigen Mitarbeiter in den Ruhestand, sondern eine Persönlichkeit, die dieses Museum über vier Jahrzehnte hinweg in besonderer Weise geprägt hat. Franz war weit mehr als Zimmermann und Vorarbeiter – er war ein Meister seines Fachs, ein verlässlicher Wegbegleiter und ein Mensch, dessen Handschrift sich in nahezu jedem größeren Bauprojekt unseres Museums wiederfindet.

Wer heute durch das Gelände des Freilichtmuseums Finsterau geht, begegnet an vielen Stellen seinem Können, seiner Erfahrung und seinem Gespür für historische Bausubstanz. Franz hat unzählige Gebäude begleitet, instand gesetzt, restauriert, transloziert und wieder aufgebaut. Seine Arbeit war nie bloß handwerkliche Ausführung – sie war geprägt von tiefem Verständnis für traditionelle Bauweisen, Respekt vor dem Bestand und dem Anspruch, historische Authentizität bestmöglich zu bewahren.

Besonders beeindruckend war sein handwerkliches Können. Historische Zimmermannstechniken beherrschte er mit einer Selbstverständlichkeit, die heute selten geworden ist. Ob Block- und Ständerbau, traditionelle Holzverbindungen, der Abbund von Dachstühlen, der Austausch geschädigter Hölzer oder die denkmalgerechte Ergänzung alter Tragwerke – Franz hatte ein außergewöhnliches Gespür für Material, Konstruktion und historische Substanz. Er wusste, was ein Gebäude verträgt und wo Zurückhaltung wichtiger ist als schneller Aktionismus.

Seine Arbeit war stets geprägt von Ruhe, Besonnenheit und großer Verlässlichkeit. Er war keiner, der laut sein musste, um Präsenz zu zeigen. Mit seiner ruhigen Art, seiner Erfahrung und seinem klaren Blick war er für Kolleginnen und Kollegen über all die Jahre eine feste Größe. In schwierigen Situationen bewahrte er die Übersicht, fand pragmatische Lösungen und blieb dabei immer sachlich, bodenständig und hilfsbereit. Gerade diese Mischung aus fachlicher Autorität und menschlicher Bescheidenheit machte ihn so besonders.

Ein herausragendes Beispiel für sein Können und seinen Einsatz war die Translozierung des Petzihofs in den Jahren 1985 bis 1988. Dieses Projekt war in seiner Dimension und Detailtreue außergewöhnlich. Nie zuvor wurde ein Baudenkmal in dieser Form so sorgfältig dokumentiert, abgebaut und an einem neuen Ort wieder aufgebaut. Der Petzihof ist bis heute ein Meilenstein in der Geschichte des Freilichtmuseums Finsterau. Ohne Franz wären dieses Projekt und sein außergewöhnlicher Erfolg in dieser Qualität kaum denkbar gewesen.

Doch bei allem fachlichen Respekt bleibt vor allem eines: Franz war für viele von uns weit mehr als nur ein Kollege. Er war ein geschätzter Weggefährte, ein verlässlicher Ansprechpartner und ein Mensch mit Haltung, Herz und Charakter. Jemand, auf den man sich jederzeit verlassen konnte – fachlich wie menschlich.

Lieber Franzi, mit deinem Ruhestand geht eine prägende Ära im Freilichtmuseum Finsterau zu Ende. Was du hier geschaffen, erhalten und weitergegeben hast, wird bleiben. Dein Wirken ist in den Gebäuden, in den Details und in den Erinnerungen sichtbar – und wird auch künftig ein Teil dieses Museums sein.

Servus Franzi!

FOTO: Archiv Freilichtmuseum Finsterau

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