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Sammlungen Freilichtmuseum Massing

Wasser marsch!

Wunderwaffe Feuerspritze?

FeuerspritzeGanz so leicht mag es wohl nicht gewesen sein, diesen Befehl aus der Feuerwehrszene mit dem hier abgebildeten Objekt erfolgreich umzusetzen. Der Wasserstrahl aus dem am Pumpenkörper angeschraubten Schläuchlein hatte bestimmt keine allzu große Reichweite, geschweige denn große Durchschlagskraft. Wahrscheinlich handelte es sich eher um einen Spritzer als um eine wirksame Fontäne.

Dabei hatten sich die Geburtshelfer unseres Gegenstands vieles scheinbar sehr gut ausgedacht. In ihrem kruden Denkkonstrukt spielte diese Spritze zwar nur eine kleine, dafür aber nicht ganz unwichtige Rolle. So könnte man sie fast als Mini-Bestandteil dieser Ideologie sehen, sollte doch auch durch sie deutlich die Sorge eines Regimes um das „Volkswohl“ zum Ausdruck kommen.

Die kleine Pumpe war nur ein winziger Stein im ideologischen Überbau, mit dem die Nationalsozialisten alle „Volksgenossen“ in ihrem Sinne erziehen wollten, hier vor allem, um sie gegen die vermeintlichen und tatsächlichen Fährnisse der nächsten tausend Jahre zu wappnen.

FeuerspritzeMitte der 1930er Jahre wurde in Deutschland der so genannte Reichsluftschutzbund ins Leben gerufen. Mit seiner Hilfe sollte in der Bevölkerung das noch kaum ausgeprägte Bewusstsein für Gefahren aus der Luft geschärft werden. Solche waren in Zusammenhang mit zukünftigen militärischen Konflikten verstärkt zu erwarten. Gleichzeitig gab diese Organisation jedem Bürger Verhaltensregeln in die Hand, wie im Fall des Falles praktisch damit umgegangen werden sollte.

Eines der Ziele des Unternehmens war es, mit mehr oder weniger sanftem Druck alle Privathaushalte dazu zu bewegen, sich ein bestimmtes Repertoire an Feuerlöschutensilien anzuschaffen. Damit sollte im Ernstfall am Brandort die Erstbekämpfung möglich sein.

Die Basisausstattung sah neben den stets bereitzuhaltenden sand- und wassergefüllten Eimern noch Schaufeln, Feuerpatschen, Löschdecken und eben solche Wasserspritzen vor. Letztere waren eine primitive Unterart der Kübelspritze und damit auch von konstitutionell benachteiligten Volksgenossen überall per Hand leicht zu betätigen. Ihre einfache Konstruktion, das billige Material und nicht zuletzt die staatlich angeordnete Massenproduktion sollten den festgelegten Einheitsverkaufspreis möglichst niedrig halten. Damit war ein wichtiger Anreiz für den freiwilligen Kauf des neuen „Volksprodukts“ durch die potentiell Bedürftigen gegeben.
Als Pumpenventile tun hier beispielsweise einfache Glaskugeln oder Schusser Dienst. Bakelit und wenig langlebiger Zinkdruckguss sind weitere Grundstoffe des Pumpenkörpers. In einen simplen, mit Wasser gefüllten Putzeimer hinein gestellt und über einen seitlich angebrachten Metallbügel abgestützt, wird die Spritze mit einem Fuß fixiert. Wie bei einer Fahrradpumpe kann dann durch Auf- und Abbewegen des Stempels das Wasser aus dem Behältnis herausgesogen und mittels des dünnen, angeschraubten Gummischlauchs und eine einfache Düse in die Flammen gespritzt werden.

Inwieweit sich die vollmundigen Versprechungen der Reichsvordenker angesichts der später eingetretenen traurigen Realität tatsächlich bewahrheiteten, bleibt allerdings ein Geheimnis.

Feuerspritze, Inv.-Nr.: M 1984/611

Text: Ernst Höntze M.A., Foto: Hans Eichinger


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