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Sammlungen Freilichtmuseum Massing

Spritzig dekoriert

Kunst an Alltagsgegenständen

KanneAuch an scheinbar banalem, industriell und massenhaft hergestelltem Emailgeschirr versuchte man immer wieder, mittels ausgetüftelter Techniken künstlerische Noten einfließen zu lassen. Die Wertigkeit der Ware sollte dadurch gesteigert werden; nebenbei durchbrach man den doch sehr standardisierten Farbkanon. Unter anderem bedienten sich die Macher dabei des Spritzverfahrens in Verbindung mit unterschiedlichen Musterschablonen, wie diese Kaffeekanne zeigt.

Vermutlich um 1930 entstand unser Objekt, als jene Art zu dekorieren auch bei Stoffen, Tapeten, Wand- bzw. Deckenbordüren und vor allem bei Steingutgeschirr en vogue war. Mit einfachen geometrischen Figuren wie Kreisen, Rauten und Linien, die geschickt über-, neben- und hintereinander arrangiert und in mehr oder weniger knalligen Farben gehalten waren, verzierte man nun gerne allerlei Alltagsgegenstände.

Aus naheliegenden Gründen orientierten sich gerade die Designer großer Geschirrfabriken schon immer am Zeitgeschmack. Beim Emailgeschirr findet man z. B. je nach Epoche Anleihen vom so genannten Holland-Stil, von Jugendstil, Art déco, Bauhaus oder Neuer Sachlichkeit.

Natürlich war derart verziertes Geschirr weitaus weniger verbreitet als das erheblich billigere, unifarbene. Dementsprechend sind solche Exemplare heute rarer und auf den einschlägigen Sammlermärkten um ein Vielfaches teurer als die Allerweltsware.

KanneEin Irrglaube ist es, dass, um einen Massenartikel aufzupeppen und zu verschönern, nur „billige Kunst“ zum Zug kam. Nicht nur die Muster selbst waren oftmals sehr ästhetisch gestaltet. Auch die angewandten Dekortechniken hatten z. T. durchaus hohen Anspruch, was ihre Technik betrifft. Dementsprechend hatte dekoriertes Emailgeschirr zum Zeitpunkt seiner Entstehung durchaus seinen Preis.

Im Laufe der Jahre entwickelte man dabei unterschiedliche Methoden. Ähnlich wie bei der Herstellung von Geschirr aus Porzellan oder Steingut gab es auch bei der Fabrikation hochwertiger Emailwaren Dekorationstechniken wie die Handmalerei, das Spritzen oder das Schablonieren. Gerade die beiden letzteren kamen dem Charakter eines Massengutes besonders entgegen. Nichts desto trotz waren hier Einfallsreichtum, Fingerfertigkeit und technisches Know-how von Seiten der Arbeiter gefragt: Flexible Schablonen aus Stanniol oder Bleiblech mussten, je nach Motiv, in einer genau festgelegten Reihenfolge und für jede Farbe extra, richtig auf dem voremaillierten Geschirrkorpus positioniert werden. Auch das Fließverhalten der aufzutragenden, noch ungebrannten Farben und ihre gegenseitige Verträglichkeit bei Überschneidungen waren zu beachten. Auf diese Weise entstanden sogar mit Hilfe der Industrie nicht selten individuelle Kunstwerke.

Leider ist der Hersteller unserer Museumskanne unbekannt. In der Regel markten die großen Emailgeschirr-Hersteller zwar ihre Produkte, doch findet sich ausgerechnet hier kein Anhaltspunkt. Dennoch stellt da Objekt mit seinem ansehnlichen Dekor eine kleine Besonderheit dar und ist heute nicht nur ein gesuchtes, vermutlich auch gut bezahltes Sammlerstück, sondern Ausdruck einer längst vergangenen Zeit. Für’s Auge ist ja allemal was geboten.

Kanne (oben), Inv.-Nr.: M 2002/115
Kanne (unten), Inv.-Nr.: M 2002/116

Text: Ernst Höntze M.A., Foto: Hans Eichinger


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