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Sammlungen Freilichtmuseum Massing

Schöne Frauen

Am Feiertag trug die Rottalerin eine goldene Riegelhaube

RiegelhaubeDie anständige Frau trug bis vor nicht allzulanger Zeit in der Öffentlichkeit eine Kopfbedeckung – und wenn es nur ein Tuch war. In früherer Zeit mussten Tuch oder Haube das ganze Haupt bedecken, so dass keine Haare zum sehen waren. „Ihren Ursprung hatte diese Sittenregel im katholischen Glauben, wonach der Mann als Widerschein Gottes sein Haar nicht zu verdecken habe, die Frau dagegen – bloß Abglanz des Mannes – sehr wohl“. Mit dieser Feststellung leitet Franziska Rettenbacher, die beste Kennerin der historischen Tracht Niederbayerns, ihre geschichtliche Herleitung und Beschreibung der Riegelhaube ein. Und sie fasst zusammen: „Gemein ist der städtischen wie der ländlichen Entwicklung, dass sich die Riegelhaube in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als weibliche Kopfhaubentracht im bayerisch-oberösterreichischen Raum etabliert hat“. Die Haube ist nun längst Schmuckstück, bedeckt nur einen geringen Teil des Haupthaares.

Die Herstellung einer Riegelhaube ist aufwändig. Der Haubenboden ist stets reich bestickt mit Pailletten und Bouillonen, gern sind auch Glassteine und vergoldete Metallfolien mit verarbeitet. Eine gut erhaltene Haube, deren Provenienz bekannt ist, verwahrt das Freilichtmuseum Massing, auf gelbem Rips ist eine Handstickerei mit vergoldeten Stickmaterialien angebracht. „Am Haubenboden prangt ein Lebensbaum, als Dreispross in Bouillonstickerei über in Form geschnittenen Kartonschablonen ausgeführt. Aus dem Lebensbaum heraus springen Bögen in Pailletten-Bouillonstickerei. Dabei werden gleichmäßig lang geschnittene Bouillonstückchen und Pailletten mit Nadel und Faden auf dem Stoff festgehalten.

Kreisrunde vergoldete Folien, die zusätzlich mit kleinen Bouillonschlingen benäht sind, finden sich als Dreierkombination auf allen sichtbaren Teilen der Riegelhaube wieder. Auf den vier Bändern des Schleifenteils ist eine dichte Pailletten-Bouillonstickerei angebracht. die einzelnen Abteilungen der Bänder werden durch eine runde Folie sichtbar abgeteilt.“ (Franziska Rettenbacher)

Schöne FrauenBenutzerin und auch Eigentümerin dieser Riegelhaube war Theresia Brandl, verheiratete Denk, geboren 1878, gestorben 1946. Sie stammte aus Falkenberg und war dort Gastwirtin. Vielleicht hatte diese Haube aber bereits ihre Mutter getragen, denn das Futter trägt einen Zettel mit Herstellerangabe: „Theres Greiner Tuchmacherstochter und Haubenmacherin in Arnstorf“. Franziska Rettenbacher hat diese Haubenmacherin identifiziert als ledige Tochter der 1808 geborenen Elisabeth Greiner. Von Theres Greiner sind weitere Hauben erhalten (s. Rettenbacher, Franziska u.a. Goldstickerei. Ein Bilder- und Werkbuch. II. Riegelhauben, Kranl, Schmuck und Taschen. München, Simbach am Inn, 2005).

Noch aufwändiger und auch auffälliger ist die Goldhaube, wie wir sie von den Bürgersfrauen der Donaustädte Passau und Linz kennen. Pfarrkirchener Goldhaubenfrauen nebst einigen in Rottaler Tracht gekleideten Männern zeigten sich in Ihrer Festtagstracht in Erwartung des Königs, der am 18. Juni 1914 Pfarrkirchen besucht hat.

Riegelhaube, Inventar Nr.: M 2003/118

Text: Martin Ortmeier, Photos: Hans Eichinger, Bildarchiv Freilichtmuseum Massing


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