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Sammlungen Freilichtmuseum Massing

Nicht mehr auf Empfang

Es stammt noch aus der Zeit, als all das, was mit Rundfunk zu tun hatte, als etwas Besonderes galt.

RadioDemzufolge waren die Gehäuse von Radiogeräten damals bewusst als Blickfang gearbeitet, die Apparate galten als Statussymbol und waren wichtiger Bestandteil der Möblierung.

Bei diesem Stück handelt es sich um das Modell „Arcadia“ der englischen Marke „Ferranti“. Es kam mit dem Sachuniversum des Lehnerhofs aus Train bei Kelheim ins Museum, der 1990/91 hier wiederaufgebaut wurde.

Wie dieses Objekt einst zu den Hofbewohnern kam, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Merkwürdig ist es jedenfalls schon. Denn einerseits saßen sehr viele der führenden Hersteller der Radiobranche vor dem Krieg in Deutschland. Folglich gab es hier vor gut 70 Jahren einen heute kaum mehr vorstellbaren Variantenreichtum an Radiofirmen und Radiogeräten. Andererseits war ein Importradio sicher keines der Schnäppchen, wie sie heute im Zeitalter der Globalisierung gang und gäbe sind. Vermutlich lag also „unser Ferranti“ nicht gerade im Preissegment eines niederbayerischen Hopfenbauern. Denkbar wäre natürlich auch die nachträgliche Anschaffung des Geräts zu einem wesentlich niedrigeren Preis, vielleicht weil es veraltet oder ausrangiert war. Oder aber amerikanische Besatzungssoldaten hatten den Apparat über den großen Teich mitgebracht und - warum und wie auch immer - auf dem Durchzug in Bayern vor 60 Jahren ausgerechnet im Lehnerhof zurückgelassen. Sei’s drum, er befindet sich jetzt jedenfalls gut eingelagert im Museumsdepot und stellt dort etwas Besonderes dar.

RadioDas kann mit Fug und Recht behauptet werden, ist dieses Radio innerlich und äußerlich betrachtet, also technisch und vom Design her, doch Lichtjahre von dem entfernt, was manche seiner Ur-Urenkel von heute oft darstellen. Jene Billigprodukte, die zwischen BH’s, Grillrosten oder Jogginghosen in den Regalen von Kaffeeherstellern oder Supermärkten auf Käufer warten. Logischerweise ist die Technik von damals nicht mit der heutigen vergleichbar und dementsprechend auch Leistung und Preis nicht. Aber immerhin: die drei damals üblichen Frequenzbereiche Kurz- Mittel- und Langwelle waren in dem etwas nüchtern aber edel wirkenden Nussbaum-furnierten Gehäuse mittels fünf voluminösen Glasröhren zu empfangen.

Vier solide Bakelitknöpfe an der Vorderseite ermöglichten die Bedienung des Geräts, ein sehr groß dimensionierter Lautsprecher hinter der rechteckigen, stoffbespannten Öffnung verschaffte dem aus dem Äther Gesendeten Gehör. Die Perlmutt-hinterlegte, beleuchtete Stationsskala ließ die Senderwahl zu einem geradezu würdevoll zelebrierbaren Akt werden. Entsprechend der Mode der Zeit war das Radiogehäuse hochrechteckig gestaltet. Das nach 1937 eingeführte „Magische Auge“, eine optische Hilfe zur bestmöglichen Sendereinstellung, ist hier noch nicht vorhanden. Daher dürfte die Zeit um 1935 als vermutliches Herstellungsdatum unseres Radios aus Moston bei Manchester nicht ganz verkehrt sein. Vielleicht würde es ja doch noch funktionieren – wir haben es noch nicht getestet.

Radiogerät, Inv.-Nr. M 1988/113

Text: Ernst Höntze; Foto: Archiv Freilichtmuseum Massing, Hans Eichinger


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