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  • Eine Schusterwerkstatt im Raidlhaus

    Schusterwerkstatt im RaidlhausLange blieb das Obergeschoss im Raidlhaus für Besucher unerschlossen. Seit 2019 führt in dem alten Bauernhaus eine neue, trittfeste Treppe hinauf in eine Schusterwerkstatt. Sie erinnert an den „Schuaster-Sepp“ aus Rehberg bei Grainet und an einen Handwerksberuf, der nach und nach an Bedeutung verloren hat.

    In der hellen Kammer des Raidlhauses ist die Werkstatt des Josef Reichenberger (1921 – 2004) wieder entstanden. Bis ins hohe Alter arbeitete der Schuaster-Sepp zusammen mit seiner Frau Maria, reparierte Arbeits- und Fußballschuhe, Pferdedecken und Rockerjacken. Ein Regal voller hölzerner Leisten, eine Werkbank mit allem unentbehrlichen Schusterwerkzeug und alte Arbeitshocker erwecken den Eindruck, der Schuster ist nur mal kurz weg und kommt gleich wieder. Der Besucher erhält Einblick durch die verglaste Tür. Möglichkeit zum Eintreten bieten gesonderte Führungen, denn zu viele Gegenstände liegen hier frei herum – eben wie früher, als der Schuster Hand an Leisten, Leder und Sohlen legte.

    Dafür zeigen im Treppenaufgang Vitrinen typische Werkzeuge, die ein Schuster zur Handanfertigung von Schuhen brauchte. Ganz wichtig war der Schusterhammer mit dem zweiseitigen Hammerkopf. Aber auch Schustermesser, Ahle, Falzzangen und Raspeln durften nicht fehlen. Fotografien erinnern an Josef Reichenberger als einen geselligen Menschen, der sich auch anderweitig ins Rehberger Dorfleben einbrachte.

    Schusterwerkstatt im Raidlhaus

    Ausgestellt sind zudem Berufsurkunden, die von einem anderen verstorbenen Schuster zeugen: „Schuaster-Schuaster“ wurde der gerufen, denn Johann Schuster (1912 – 1981) aus dem böhmischen Außergefild (Kvilda) hatte seinen in Winterberg (Vimperk) gelernten Beruf auch als Familiennamen. Nach der Vertreibung 1946 siedelte er sich mit Frau, Tochter und Mutter in Draxlschlag bei St. Oswald an. Bis in die 1960er Jahre arbeitete Johann Schuster dort als Schuhmacher. Sein 1943 bei der Handwerkskammer in Passau eingereichtes Meisterstück, ein Paar rahmengenähte Kinderschuhe, erinnert nun in Finsterau an ihn.

    Aus seinem Nachlass stammt auch eine gusseiserne Singer-Nähmaschine mit Anschiebtisch aus den 1930er Jahren.

    TEXT: Martin Ortmeier | PHOTOS: Konrad Obermeier

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  • Freilichtmuseum Finsterau

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