Baumaßnahmen im Freilichtmuseum Massing

Görgemannsölde aus Kleinbettenrain

Der Kröning war auf Grund seiner geeigneten Tonvorkommen ein bedeutendes Hafnerzentrum Atbayerns.

Neben der Hafnerei „auf dem Kröning“ wurde jeweils eine zugehörige Kleinlandwirtschaft betrieben. Die Söldner oder Gütler verfügten zwar über eigene Waldstücke, deren Erträge reichten jedoch nicht für den hohen Brennholzbedarf der Hafnerei. Holzlieferung im vorgelagerten Bereich, Handel und Transport im nachgelagerten Bereich der Hafnerei wirkten sich auf die gesamte Wirtschaftsstruktur des Krönings aus. Die Landwirtschaft brachte keine herausragenden Erträge. Die Bonität der Böden ist allenfalls durchschnittlich.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts endete die jahrhundertealte Tradition des Hafnergewerbes im Kröning. Die in Form, Glasur und Scherben typischen Produkte des Krönings kamen früh in den Blick des volkskundlichen Sammelns und Forschens, die Handwerks- und Sozialgeschichte wird seit den siebziger Jahren erforscht.

Das Heimatmuseum Vilsbiburg widmet sich der Kröninger Hafnerei sehr umfassend. Eine ganzheitliche Darstellung der Produktionsgegebenheiten mit Haus, Landwirtschaft, Brennofen, Tongrube usw. ist dort jedoch nicht möglich. Diese Chance eröffnet sich mit der Translozierung der Görgenmannsölde nun in Massing.

2003/2004 wurden am bestehenden Standort der Görgenmannsölde Grabungen durchgeführt. Dadurch werden Grundlagen für die historisch getreue Rekonstruktion der Hafnerei im Museum erschlossen.

Die Görgenmannsölde ist ein Mittertennhaus. Für den Kröning ist der Haustyp mehrfach belegt: rezenter Bestand, Dokumente im Archiv für Hausforschung, im Landesamt für Denkmalpflege und im Heimatmuseum Vilsbiburg, hauskundliche Literatur, Bildarchiv des Freilichtmuseums Massing. Umlaufender Schrot (bei der Görgenmannsölde nicht voll erhalten) und Oberbodenlaube, im Rottal selten, verknüpfen das Haus des Krönings mit der benachbarten Hauslandschaft Dingolfing-Landau.
Eine Trennung von Wohnen und Handwerk hat beim Hafnerhaus nur unzureichend stattgefunden. Dies deckt sich aber mit der allgemeinen hausgeschichtlichen Tatsache auch im Bürgerlichen, dass Wohnen und Werken später getrennt wurden, als Wohnen und Viehstallung. Diese sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Tatsache soll, auch mit ihren gesundheitlichen Folgen insbesondere bei der Hafnerei, in der didaktischen Präsentation der Görgenmannsölde im Museum hervorgehoben werden.

Der Wohnteil ist in Erd- und Obergeschoss Holzblockbau. Der rückwärtige, der Dorfstraße zugewandte Teil ist 1916 im Erdgeschoss durch Mauerwerk ersetzt worden, im Zug dieser Baumaßnahme wurde ein russischer Kamin eingebaut. Im Obergeschoss sind zu unbestimmter Zeit nachträgliche Leichtbauwände zur Abtrennung von kleinen Zimmern eingezogen worden. Die Fletz war früher durchgängig, sie mündet heute jedoch in eine Fletzkammer, von der aus ein ebenerdiger Kartoffelkeller und ein enger dunkler Saustall zugänglich sind. Zwischen Fletz und Tenne ist erdgeschossig eine Raumachse geschoben, die verschiedene Lagerräume umfasst. Darunter liegt ein kleiner gewölbter Keller.

Goergemannsoelde Kleinbettenrain

Der Stadel überfängt als verbretterter Holzständerbau diese erdgeschossige Raumachse, außerdem die anschließende Tenne und den gemauerten Stall. Warum an der straßenseitigen Längsseite die Fassade zurückspringt und einem offenen Schupfen Platz schafft, ist bisher nicht geklärt. Die enge Platzierung des Hauses an der – ursprünglich tiefer liegenden - Dorfstraße mag diese bauliche Besonderheit begründen. An der rückwärtigen Giebelseite ist ein Holzverschlag angebaut, dessen Dach an die gemauerte Erdgeschosswand des Stalls angeschleppt ist.
Im Hofraum, der nach Süden in die landwirtschaftliche Flur übergeht, ist ein hölzernes Nebengebäude (Back- und Waschhaus, außen angebaut ein Abort) und der Abstich einer Grube erhalten. Die Grube war vermutlich die Tongrube für den eigenen Hafnereibedarf.
Der Stall ist in der bestehenden Form sicher erst nach 1864 entstanden, ebenso die Fassadenverbretterung, an der Reste einer Bemalung erhalten sind. Der Abbruch des giebelseitigen Hausschrots kann zur selben Zeit geschehen sein. Vielleicht wurden beide Maßnahmen erst im Zuge der Erdgeschossausmauerung 1916 durchgeführt. Der Baueingabeplan von 1916 zeigt noch einen offenen Blockbau, allerdings keinen umlaufenden, sondern nur den traufseitigen Schrot.
Das Satteldach ist gering geneigt, es war wohl lange Zeit mit Legschindeln eingedeckt. Baudatierungen durch Archivalien, Inschrift oder Holzjahresringauswertung liegen bisher nicht vor.

Archäologische Forschung geschieht bereits im Vorfeld der Abtragung. Ihr Schwerpunkt liegt im Bereich der heutigen Küche und der Stube. Ergraben wurden u.a. zwei Fundamentspuren von Brennöfen, außerdem Relikte eines Tonkellers, welcher der Vorratshaltung für die Winterarbeit diente.
Verfüllte Werkstattbruchgruben wurden bereits freigelegt. Aus der unmittelbaren Nachbarschaft liegen ausgewertete Funde vor. Zu klären ist außerdem die Wasserversorgung vor dem Anschluss an das öffentliche Netz. Der Brunnen neben dem Stall war eventuell nur für die Hafnerei, nicht jedoch für die Versorgung mit Trinkwasser geeignet.
Die klassischen Grabungen sind 2004 abgeschlossen worden, eventuell soll sich Fehlbodenarchäologie anschließen. Die Ergebnisse der Archäologie sollen in die Darstellung des Hofs im Museum einfließen.

TEXT: Martin Ortmeier | FOTOS: Josef Lang | PLAN: Harald Bader