Baumaßnahmen im Freilichtmuseum Finsterau

Ein Salettl für Finsterau


Translozierung eines Wirtsgarten-Saals


Nur ein massives Innengerüst hat den fast 130 Jahre alten Wirtsgarten-Saal von Passau-Maria Hilf in den letzten Jahren vor dem Einsturz bewahrt. 1881 ist der filigrane Holzbau entstanden, einige Jahrzehnte pilgerten dorthin vor den Toren der Stadt die Passauer Bürger und Kleinbürger zu ihrem Freizeitvergnügen. Und auch mancher Marienpilger nach der nahen Wallfahrtskirche wird sich da von den Strapazen seiner Reise erholt haben.

Als im Januar 2010 die letzten Versuche scheiterten, den alten Holzbau an seinem Standort zu erhalten, nahm sich das Freilichtmuseum Finsterau seiner an. Das Museum finanzierte mit Hilfe seines Fördervereins die Dokumentation und die aufwändige Suche nach alten Akten und Bildquellen. Einige Tausend Bauteile waren nach Aufmaßplan zu nummerieren. Mitte April begann die Abtragung, am 19. Mai 2010 wurden die letzten Bauteile in Finsterau eingelagert.

Hier in Finsterau soll bereits im nächsten Jahr direkt neben dem Lindengarten des Museumswirtshauses der Wiederaufbau beginnen. Die Museumszimmerer werden den historistischen Sägedekor und die maroden Fenster und Türen wieder herstellen, der Kirchenmaler wird die reiche Farbfassung, die sich an einigen wettergeschützten Stellen dokumentieren ließ, erneuern.

Besondere Anforderungen wird die Statik am neuen Standort stellen. Denn die 935 Höhenmeter des Museumsstandorts bringen starke Schneelasten mit sich, denen das Haus am neuen Standort erneut viele Jahrzehnte wird standhalten müssen.

Im Juli 2011 soll, wenn Technik und Finanzierung gelingen, nach fast 80 Jahren Pause, in denen das Gebäude zuerst als Werkstätte genutzt wurde und dann leerstehend verfiel, wieder das erste Tanzvergnügen stattfinden. Für Volkstänzer gibt es nichts Schöneres als einen mitschwingenden Bretterboden.

Der Wirtsgarten-Saal, in den Quellen Tanzsaal, Trinkhalle oder Salettl genannt, ist ein in Niederbayern inzwischen fast singuläres Denkmal. Der Dekor des Bauwerks ist historistisch, sein Gefüge verbindet frühen Ingenieurbau mit traditioneller Zimmererarbeit, die Maße sind 14 x 14 m, außen und innen sind Farbfassungen erhalten.

Das Freilichtmuseum Finsterau überträgt auf sein Gelände nur besondere Bauten, die wegen ihrer Schönheit, ihrer Einzigartigkeit oder wegen der Dichte ihrer zeitgeschichtlichen Informationen aus dem Gros der gefährdeten Baudenkmäler hervortreten.

Text und Photos: Martin Ortmeier