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Dauerausstellungen im Freilichtmuseum Massing

Bayern-Italien im Rottal

Ziegler aus dem Friaul in Niederbayern

ZiegelFlingelli, Spiritini, Capellaro, Domani und Cramero sind Namen, die in Niederbayern nicht erst seit der Zeit der Eisdielen heimisch sind. Ihre Vorfahren sind als Ziegelschlager, Maurer, Bahn- und Tunnelbauer schon vor 100 und 150 Jahren gekommen. Zu Hunderten und Tausenden sind sie jedes Jahr im frühen Sommer für eine ganze Saison zu Fuß und mit der Bahn angereist.

Das Freilichtmuseum Massing erinnert vor allem an die Ziegelpatscher – „mattonai“ – und die Ziegelbrenner – „fornaciai“. Denn das niederbayerische Rottal verdankt ihnen etliche der schönsten alten Bauernhöfe, in Blankziegelmauerwerk auf den Anhöhen über Rott, Inn, Vils und Kollbach errichtet.

Im alten Heilmeierhof des Freilichtmuseums, in dessen Nachbarschaft eben jetzt ein Wasch- und Backhaus aus Vollziegeln erbaut wird, die vor langer Zeit von Männern, Burschen und Knaben aus dem Friaul in einer Rottaler Bauernziegelei hergestellt worden sind, ist unter dem Titel „Keramik im Alltag“ eine Ausstellung eingerichtet.

Arbeitsgerät für den ZiegelabbauAufgefundene Ziegel mit Inschriften und Akkordmarken, mit eingedrückten Kinderhänden und Hausschlüsseln sind zu sehen, Mit dabei ist auch ein alter Polenta-Kessel, den die friulanischen Wanderarbeiter auf ihrer Reise in die Fremde dabei hatten: ein Stück Heimat, eine Erinnerung an den heimischen Herd, den „focolare“, der daheim die Mitte des Lebens bildete.

Die Inszenierung eines Schlagtisches nebst hölzernem Ziegelschlagrahmen und Schubkarren, eine detaillierte Ofenbaustelle und historische Lichtbilder lassen die Vorstellung von diesen mühseligen Arbeitsplätzen wieder lebendig werden.

Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit Heimatpflegern aus Buja (Friaul) erstellt wurde, ist auch in italienischer Sprache erschlossen.

Die wertvollen Ziegel und Dachziegel sind die materielle Erinnerung an diese vergangene Arbeitswelt. Das Museum hat auch Erinnerungen an Menschen dieser Zeit erschlossen. Wenigstens einer der Ziegelmeister, der viele Jahre „auf Kampagne“ in Niederbayern und im Innviertel war, wird nicht vergessen werden: Valentino Cramero aus Torlano di Sopra, der 1910 im Rottal einen Firstziegel mit seinem Namen gekennzeichnet hat.
Einem anderen, Giacomo Testa aus Osoppo, hat der große bayerische Romancier Josef Martin Bauer 1960 in seinem Roman „Der Abhang“ ein Denkmal gesetzt.


Heu, gebündeltes Getreide und ausgedroschenes Stroh müssen sicher vor Regen, aber luftig eingelagert werden. Hölzerne Gitterwände haben dies lange Zeit gut geleistet. Dem Feuer - durch Blitz, Brandstiftung oder Selbstentzündung des Heus hervorgerufen - konnten diese Bauten aber nicht widerstehen.
Deshalb drängten die Landesherren darauf, dass neue Bauten in Stein errichtet wurden. Es entstanden Ziegelgitter verschiedener Form, einfach und vielfältig, kräftig und filigrane.
Der Film zeigt Beispiele aus Friaul, Kärnten und Slowenien.

Film: Kerstin Hahn, Southsea 2002 - Hasso Hohmann, Graz 1975 - Martin Ortmeier, Passau 1995 - Archiv Freilichtmusem Finsterau - Archiv Laura Nicoloso, Buja
Fotos: Josef Lang, Passau