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  • Spagert, Minzenkugeln und Opas Virginia

    Der Kramerladen beim Heilmeierhof ist geöffnet.

    Kramerladen beim HeilmeierhofDie Landstraße führt mitten durch das Wirtsanwesen, das im Museum den Namen Heilmeierhof trägt. Zum Wirtshaus gehört eine Landwirtschaft, die Stall, Stadel, Wagenschupfen und Waschhaus benötigt.
    Ein kleines Nebenhaus beherbergt Verwandte des Bauern. Wir stellen uns vor: Hier wohnt ein Ehepaar, das einen Kramerladen betreibt, und wir schreiben das Jahr 1955. Es ist eng in der kleinen Kramerei, aber heimelig. Schubläden, Glasvitrine und Regalböden der Ladeneinrichtung, die aus dem Frauenhaselbacher Lebensmittelladen von Johann und Therese Wiesmeier stammt, sind gefüllt mit den Dingen, die im Alltag eines niederbayerischen Dorfes gebraucht wurden: Bohnerwachs und Wäscheknöpfe, Kälberstricke und Kernseife, Gummiringe, Schiefergriffel, Wurzelbürsten.

    Das Warenangebot des Dorfkramers war eine Welt im Kleinen, von allem ein wenig: Haushaltswaren und Lebensmittel, Hygiene- und Luxusartikel, Öle, Fette und Lacke, Kurzwaren, Schreibwaren und Schulbedarf. Mit Kaffee und Kakao waren auch Kolonialwaren „bis ins letzte Dorf“ gekommen. Stricke, Ketten, Wetzsteine und Holzschuhe wurden für die Landwirtschaft angeboten. Süßigkeiten und Wundertüten lockten Kinder in den Laden. Zigarren und Zigaretten fragten Bauern und Arbeiter nach, Pralinés und „echt 4711“ die Frauen.
    Manche Dinge gibt es nicht mehr: Ärmelhalter zum Beispiel, oder Griffelschachteln. Sie sind aus unserem Leben verschwunden – wie die Kramerläden auf den Dörfern.

    KramereiDas Kramer-Häusl stammt aus Winhöring, es trug dort den Hausnamen Bruckjackl. Seit 1973 steht es im Museum. 2013/15 wurde das Haus von Grund auf saniert und als Kramerei eingerichtet. Schreinermöbeln des Jahres 1951 aus Obermaisbach gestalten die Wohnräume. In der Küche ist die Zeit vor den Siegeszug der Einbauküchen zu bestaunen.

    Im Museum kann man die kleine Welt der Dorfkramereien nacherleben. Programme für Kinder, Erwachsene und alte Menschen geben Gelegenheit zum Erinnern. Spielerisch kann in kleinen Gruppen Einkauf mit Korb und Tragnetz, Abwiegen und Kopfrechnen, Tütenfalten und Knödelbrotschneiden geübt werden. Das Klingeln der Ladenglocke, das Rattern des Knödelbrotschneiders, der Duft von Minzenkugeln und Essiggurken und der Anblick einer wahrhaftigen Negerkuss-Semmel wecken Erinnerungen. Wer diese Erinnerungen nicht hat, weil er eine richtige Dorfkramerei nicht mehr selbst erleben konnte, der kann ihr im Museum den Boden bereiten.
    Jedem, der ein Geheimnis für sich behalten kann, wird auch gezeigt, was es mit der „Lausbubenfalle“ auf sich hat.

    Text: Martin Ortmeier, Fotos: Gerhard Nixdorf, Hans Eichinger

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