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  • Eröffnung der Kramerei

    Eröffnung Kramerei MassingBezirkstags-Vizepräsident Franz Schedlbauer eröffnet die neue „Kramerei“ beim Heilmeierhof im Freilichtmuseum. EU-Fördermittel erleichterten die Durchführung des neuen musealen und pädagogischen Angebots.
    Massing.  In den vergangenen zwei Jahren wurde das leerstehende Austragshaus beim Heilmeierhof im Freilichtmuseum Massing zu einer liebevoll gestalteten „Dorfkramerei“ samt Wohnung der Kramerleute umgestaltet. Mit vielen Ehrengästen konnte am „Internationalen Museumstag“ Bezirkstags-Vizepräsident Franz Schedlbauer diese neue Attraktion des Freilichtmuseums eröffnen.
    Die Begrüßung der Gäste von der Gred des Heilmeier-Wirtshauses aus übernahm Museumsleiter Dr. Martin Ortmeier. „Wir wollen in diesem Haus den Menschen Freude machen“, betonte er. Die Zeit um 1955 wurde für die Ausstattung mit Mobiliar und Warenangebot gewählt. Die Besucher sollen in eine ferne, aber nicht allzu ferne Vergangenheit versetzt werden, wenn sie an der Tür zu dem kleinen alten Haus die Ladenklingel hören. Zugleich aber sollen die Bildungsziele im Blick bleiben: Kinder sollen spielend an Kenntnisse über eine einfache traditionelle Form des Einzelhandels herangeführt werden; Erwachsene sollen zum einfühlenden Vergleich über den Wandel vom Verkauf über den Ladentisch zum aktuellen Selbstbedienungsladen angeregt werden, Ältere können sich erinnern an eigene Kindheit und Jugend, als sich nach der Not von Kriegs- und Nachkriegszeit die Regale im Dorfladen endlich wieder zu füllen begannen.

    Seit Jahren verfolgte das Museum das Ziel, den 1974 eröffneten und längst in die Jahre gekommenen Heilmeierhof neu in Wert zu setzen. Das Aussehen des Haupthauses wurde nach alten Photos wiederhergestellt. Die authentische Rekonstruktion der Wirtsstube und Küche bietet nun Raum für Literatur- und Brauchtumsveranstaltungen und Platz für viele pädagogische Angebote. Die Schulstube im Dachgeschoss hat im Vorjahr fast 1000 Kinder zum Erlebnisangebot „Schulalltag in alter Zeit“ angelockt. Für eine weitere Verdichtung des Angebotes sorgte der Bau des Wasch- und Backhauses, außerdem im Vorjahr die Eröffnung des Veranstaltungsstadels.
    Das seit Mitte der 70er Jahre beim Heilmeierhof stehende Austragshäusl brauchte für die Nutzung als Kramerladen eine Sanierung von Grund auf. Finanzierbar wurde sie durch EU-Fördermittel, welche die Initiative XperRegio erschlossen hat. „Der Heilmeierhof als pädagogisches Zentrum des Museums hat sich bewährt und ist zu einem lebendigen Ort der Bildung geworden“, hob der Museumsleiter hervor.
    Standard im Freilichtmuseum ist, dass alle ausgestatteten Räume für alle Besucher zugänglich sind. In der Kramerei sind das Fletz, Stube, Stüberl und Küche. In die Kramerei selbst wird man – außer bei Führungen und pädagogischen Angeboten –  durch Fenster der Zimmertüren schauen müssen. „Sonst könnten wir den Laden nicht so dicht mit Waren ausstatten“, erklärte die Museumspädagogin Roswitha Klingshirn, und „der wunderschöne Laden soll ja auch etwas Besonders sein“. Einen kirchlichen Segen hat das Haus schon bei seiner Errichtung vor vier Jahrzehnten bekommen. Jetzt gibt es – nicht nur zur Dekoration – an der Wand neben der Stubentür einen Weihwasserkessel mit geweihtem Wasser, das jeder Besucher gerne zur Segnung nutzen darf.
    Der Museumsleiter dankte in herzlichen Worten allen, die zur Verwirklichung des Planes beigetragen haben: den heimischen Handwerksbetrieben und Fachhandwerkern, dem Baumeister und dem Restaurator. Alexander Schwinghammer galt der Dank für die Neuanlage des kleinen Hausgartens, den Kollegen im Bauhof und im Depot für die zahlreichen Handgriffe und Arbeitseinsätze. Er vergaß auch nicht, die Spender der Möbel für den Laden und die Wohnräume zu nennen: die Familien Wiesmeier, Gräfinger und Freidlmeier. „Aber ohne die Initiative von Museumspädagogin Roswitha Klingshirn gäbe es diese Kramerei nicht“, bestätigte der Museumsleiter, „von ihr stammt das Konzept und sie hat Baumaßnahme und Ausstattung koordiniert“.
    „Es ist eine Freude, hier in Erinnerungen an eigene Erlebnisse der Kindheit einzutauchen“, sagte Bezirkstags-Vizepräsident Franz Schedlbauer in seinem Grußwort. Es sei ihm wichtig, darauf hinzuweisen, dass diese Museumskramerei eine kommunale Leistung ist, finanziert zum größten Teil vom Zweckverband Niederbayerische Freilichtmuseen und der Stiftung Niederbayerisches Bauernhofmuseum. Immerhin habe die Maßnahme etwa 125.000 € gekostet. Erst durch die 40% Förderung aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes sei es möglich geworden, die Finanzierung zu stemmen.

    Kramerladen beim HeilmeierhofMuseen in kommunaler Trägerschaft müssen gewöhnlich mit eng begrenzten Finanzmitteln auskommen, betonte Schedlbauer. Umso anerkennenswerter sei, was dort Jahr und Tag von amtlichen und ehrenamtlichen Leuten geleistet wird. Und wichtig sei es auch, dass viele Besucher dort hingehen und mit ihrem Eintrittsgeld einen kleinen Beitrag leisten. Schließlich erklärte er die „neue alte Kramerei“ für eröffnet und lud alle Besucher gleich zum „Einkauf“ im Laden ein und zu einem geselligen Beisammensein und Genuss des von Museumswirtin Christine Strobl bereiteten Buffets.
    Vor der Tür der Kramerei wartete zur musikalischen Begrüßung Roland Pongratz mit seiner Harmonika, im Laden die „Kramerin“ Elisabeth Plininger mit ihrem nostalgischen Angebot an Zuckerstangen, Minzenkugeln, Himbeerguatln oder gar einer „Mohrenkopf-Semmel“. Wer noch alte Münzen aus D-Mark-Zeiten hatte, konnte auch damit einkaufen, die so erworbenen Münzen werden zukünftig für die pädagogische Arbeit genutzt werden.
    „Ja, genau so war`s“, sagten die ersten Besucher im Ladl gerührt und bestaunten, was mit viel Liebe und Mühe an sonst längst verschwundenem Warenangebot hier zusammengetragen wurde, von der Sense über Mausefalle und Saupech bis hin zu Feigenkaffee- und Waschpulverpackerln, und, und und... Man muss es selbst gesehen, die Älteren sich erinnert und die Jungen es kennengelernt haben. Also, durchaus wieder einmal einen Museumsbesuch einplanen oder ein Programm des nun erneut erweiterten pädagogischen Angebots des Freilichtmuseums buchen!

    Photo: Erinnerungsbild an die Eröffnung der „Alten Kramerei“ beim Heilmeierhof: hinten v.l. Museumsleiter Dr. Martin Ortmeier, Bezirkstags-Vizepräsident Franz Schedlbauer, Bezirksrat Urban Mangold, Museumspädagogin Roswitha Klingshirn, 2. Bürgermeister Christian Thiel, vorne „Kramerin“ Elisabeth Plininger und die kleinen Kundinnen Seraphina und Anna.

     

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  • Freilichtmuseum Massing