Freilichtmuseum Finsterau
Sa, 20.02.2010 - So, 30.05.2010
Enge der Geschichte und Weite der bäuerlichen Welt
Lichtbilder aus den 50er Jahren von Bruno Mooser und Igor Grossmann
Photographien zweier spät in die industrielle Moderne eintretender Landschaften zeigen Eigentümliches und Verwandtes auf aus jenen Jahren des 20. Jahrhunderts, als deren Menschen sich anschickten, den unumkehrbaren Schritt aus der bäuerlichen Tradition zu vollziehen.
„Enge der Geschichte und Weite der bäuerlichen Welt“ hat Pier Paolo Pasolini 1974 einen Essay überschrieben, in dem er den radikalen Wandel der Gesellschaft auf dem Land, den diese binnen weniger Jahrzehnte erlebte, analysiert: „Es ist diese grenzenlose, vornationale und frühindustrielle Welt, die bis vor wenigen Jahren überlebt hat, der ich nachtrauere.“
Gleichgültig, ob wir in ein westliches oder ein östliches europäisches Land schauen, wir begegnen diesem Wandel und der Trauer über seine Unumkehrbarkeit. In Karelien, in der Bretagne, in Siegfried Lenz’ Masuren und in Heinrich Bölls Irland, im Böhmerwald und in der Padania, im slowakischen Liptauen und in Niederbayern.
Einige Photographen haben frühzeitig erkannt, dass da etwas vergeht, und sie waren zur Stelle. Sie haben den Menschen, ihren vergänglichen Händen und Gesichtern, ihren Häusern, Stuben, Kleidern, ihren Arbeitstieren, ihren Wiesen und Feldern, den Hilfsmitteln ihrer Arbeit in effigie Dauer gegeben. Sie haben das im Bild festgehalten, was vor dem Vergehen stand:
Den Bayerischen Wald hat der Pädagoge Bruno Mooser (*1925 Tettenweis, +2009 Straubing) bereist, die nördliche und westliche Slowakei der Apotheker Igor Grossmann (*1924, Žilina, lebt in Preßburg/Bratislava).
Den frühen Schwarzweiß-Lichtbildern dieser beiden Photographen widmet das Freilichtmuseum Finsterau ab 20. Februar eine Retrospektive unter dem von Pasolini entlehnten Titel „Enge der Geschichte und Weite der bäuerlichen Welt“.
Foto: Igor Grossmann: Frierendes Mädchen |